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Früh morgens, ungefähr 10 Uhr, ich hatte das Frühstück in einem engen Sitz genossen, kommt die Stimme durch den Lautsprecher: in zehn Minuten landen wir im Zürcher Flughafen. Der Name des Flugzeuges heisst „Basel“ was mein Herz ganz besonders in Unruhe versetzt. Es ist Ende Februar, nur wenige Tage vor der Basler Fasnacht. Meinem Freund Jörg kann ich danken, dass ich überhaupt in diesem gigantischen fliegenden Hotel sitze, um für einige Tage in die Schweiz zu kommen. Ja, 35 Jahre ist es her, seit ich meine Heimat verlassen habe, um mein Glück mit meiner Frau und zwei kleinen Kindern in den U.S.A. zu versuchen. Mit quietschendem Geräusch stossen die Räder gegen das Pflaster des Flugplatzes und bringen die Maschine zum halten. Schweizer Boden ! Von dort schnellstens zu meiner geliebten Stadt Basel. Zehn Flugstunden brachten mich von Milwaukee in die Schweiz- in eine ganz andere Welt. Ungeduldig besteige ich den gleich unter dem Flughafen wartenden Schnellzug, der mich in einer Stunde in meine Geburtsstadt bringt. Eine Eisenbahn die auf die Sekunde genau abfährt oder ankommt, ist fast unglaublich auch für einen Amerikaner.
Es ist Ende Februar und ich sehe grünes Gras im vorbeifahren! Und die vielen Dörfer, sauber geputzt, die Häuser in tadellosem Zustand. Doch sehe ich auch Hochhäuser, die mir so bekannt sind von drüben, aber leider nicht in die Schweizer Landschaft passen. Ein Dorf nach dem anderen, beinahe zusammen gewachsen, es fehlen die unendlichen Kornfelder oder Mais wie man es hier nennt. Bei einigen Fabriken vorbei und schon sind wir in Basel.
Es ist Sonntag vor der Fasnacht. Eine ungewöhnliche Stille hat sich über die Stadt gelegt. Aus einigen Gässchen kommen kleine Gruppen mit Piccolo pfeifend, die die Laternenträger zu einem Sammelplatz begleiten. Es sind ja nur wenige Stunden bis zum Morgenstreich.
Ist es möglich dass ein Auslandschweizer kaum schlafen kann in Erwartung des Morgenstreiches. Nur hier in dieser Stadt ist es möglich, dass sich morgens um vier Tausende in die Gassen drängen, um sich von diesem unerhörten Spektakel berauschen zu lassen. Die Strassen sind noch sauber, die Luft ist etwas kalt, aber nicht unerträglich. Es war ja ein beissender Wintersturm (28 Grad C unter Null) als ich Milwaukee vor 24 Stunden verliess.
Die Glocken des Rathauses und des Münsters hämmern vier Schläge und ganz plötzlich, wie auf Kommando ersetzt ein lautes Ah und Oh der Menschenmassen die Stille auf dem Marktplatz. Aus allen Ecken und Winkeln kommen die Trommler mit den Laternen. Ellbogen an Ellbogen mit grosser Aufregung bewegt sich die Menge vorwärts.
Mit Tränen in den Augen gehen meine Gedanken 35 Jahre zurück, als ich als junger Knabe selbst mit der Trommel durch die Strassen zog. Acht Jahre lang war ich Mitglied einer „Clique“, der Basler Beppi.
Nachdenklich geniesse ich Mehlsuppe und Zwiebelkuchen. Warum bin ich überhaupt nach Amerika ausgewandert? Ich war ja noch in den USA sesshaft. Meine zwei Kinder sind schon lange ausgeflogen und haben ihr eigenes Nest gebaut. Meine geliebte Frau erlag einer schweren Krankheit. Was soll ich nun tun? Alles das geht durch meinen Kopf, während ich tief in den Konfettis stehe und die Basler Fasnacht durch mich und über mich hinweg wogt. Für drei Tage versuche ich jeden Moment dieses Festes zu erleben, ohne Schlaf und ohne Halt. Der Gedanke, wieder in die Schweiz zurückzukommen, kristallisiert sich immer heftiger.
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Nach der herrlichen, unvergesslichen Fasnacht zurück nach Milwaukee in das leere Haus, wunderbares kleines Haus ausserhalb der grossen Stadt, auf einem ungewöhnlich schönen ,bewaldeten Stück Land mit einem Bächlein, das von einem Weiher über eine Staumauer nieder fällt. Hier findet eine Schar Enten ihren Lebensraum für das ganze Jahr. Aber das Haus ist nur noch mit traurigen Erinnerungen verknüpft. Was soll ich tun? Meine Gedanken gehen hin und her. Soll ich alles aufgeben, was mir für 30 Jahre so gut gedient hat. Es beginnt meine Nerven anzufressen. Es haben sich starke Kräfte entwickelt, die mich in die Schweiz zurück ziehen möchten. Hier habe ich Freunde und eine Schwester. Und ich wollte nicht allein bleiben, auf jeden Fall nicht das. Da entsteht die schwierige Aufgabe einen Menschen zu finden, mit dem man zusammen ein neues Leben beginnen kann. Wieder ganz von vorne anfangen und noch einmal glücklich sein. Ich hatte das Bedürfnis eine Lebenspartnerin, möglichst eine Schweizerin, zu finden.
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Mein Entschluss war gefasst: Zusammen packen, alle Besitzungen verkaufen, Sammlungen und Schätze an meine Söhne weitergeben, alles abrechen und noch einmal ein Flugbillet nach der Schweiz zu bestellen, brauchte nur drei Wochen. Wieder ging es für acht Stunden durch die Luft.
Es ist nun Frühling und ich werde versuchen mich in der Schweiz zu recht zufinden. Dass ich nie ganz „amerikanisiert“ wurde, steht zu meinen Gunsten. Man ist jung, hat den Wunsch in die weite Welt zu gehen. Als Schweizer hat man gewisse Vorteile im fernen Land. Gute Schulung und spezialisierte Ausbildung gibt uns im Ausland die Möglichkeit eine Karriere aufzubauen.

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Nachdem ich vor 35 Jahren nach Amerika auswanderte, bekam ich einen Job am nächsten Tag meiner Überfahrt offeriert,von diesem Moment an konnte ich immer arbeiten und mich verbessern. Von New York, wo alle Auswanderer ankommen, ging es nach einiger Zeit nach Akron in Ohio, dann wieder zurück nach New York. Diese Grosstadt ist so mächtig geworden, weil die meisten Menschen dort stecken bleiben. Für mich war New York unerträglich, kein Ort um Kinder gross zu ziehen. Ich musste versuchen von dort weg zu kommen. So war mein nächstes Bedürfnis nach Westen zu gelangen. Es brachte mich nach Akron Ohio, später nach Chicago. Aber Agenten einer anderen, viel kleineren Stadt, versuchtem mich von Chicago wegzulotsen. Da ich ja immer den Wunsch hatte in einer kleineren Stadt zu leben, kam mir das gerade recht. Milwaukee in Wisconsin, der Milch und Buttersaat, wurde nun mein permanentes Heim für die nächsten 25 Jahre. Milwaukee ist eine kleine Grosstadt oder eine grosse Kleinstadt. Sie wurde vor 200 Jahren von deutschen Einwandern aufgebaut und ist daher sauber und mit wenig Korruption und Verbrechen behaftet. Sie ist sehr industriell und daher ganz besonders für meinen Beruf als Gewerbe – Photograph geeignet.
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An einem Frühlingsmorgen, stolzierte ich durch meine geliebte Stadt Basel, wo ich vor langer Zeit geboren wurde, das Gefühl besteht, sie ist mein Eigen. Auf dem Münsterplatz hat sich in diesen Jahren kaum etwas verändert. Die zwei Türme stehen immer noch in ihrer Pracht. Ich kenne diese Türme, ich habe sie als Fotograf vielmals bestiegen. Doch hat die Zeit am Stein genagt. Diese Kathedrale steht schon fast 800 Jahre. Damals gab es in Amerika nur Indianer, die auf ihren Pferden durch Wüsten und Prärien galoppierten.
Und diese schönen Kastanienbäume! Ich liebe es besonders heisse Kastanien am Strassenrand zu essen. Hinunter auf den Marktplatz- vor dem einzigartigen Rathaus, werden frisches Gemüse, Obst und Blumen angeboten. Es ist ein Genuss einmal Rübchen nicht aus der Büchse oder tiefgefroren zu essen. Die Schweizer legen grossen Wert auf gute und gesunde Ernährung. Auch Textilien werden vorwiegend aus Naturprodukten angefertigt. Die Qualität der Waren ist ausgezeichnet, aber teuer.
Da gibt es Strassenbahnen, die das Auto unnötig machen. Trotzdem besitzt jeder zweite Schweizer ein Auto! Vieles ist für mich ungewohnt. Die Autos fahren zu schnell und rücksichtslos. Doch viele Leute gehen in der Stadt zu Fuss. In Amerika fährt man zum Gottesdienst,wo man währenddessen das Auto nicht verlassen muss. In gleicher Weise kann man seine Bankgeschäfte erledigen oder einer Filmvorführung beiwohnen. Auch Mahlzeiten werden durch das Autofenster angeboten.
Die Schweizer haben Freude an Blumen, überall sieht man Geranien auf Fenstersimsen, bei den Türen, auf den Treppen, auf dem Dorfbrunnen. Sie hängen von Dächern und Gestellen überall.
Ich sehe Leute mit Hunden in Läden und im Restaurant, Bahnen und Trams. Ich finde das eigentlich ganz „Hundemenschlich“ und es stört mich nicht. Aber dann sehe ich Frauen an Fenstern ihre Bettdecken heraushängen und lüften. Da gibt es noch gute Luft an den meisten Orten. Doch die Bäume sterben. Man fragt sich warum? Man sieht jemand die Fenster putzen. Es wird gewischt, gebürstet und alles sauber gehalten. Ist das nicht weltbekannt? Die Kamine werden gereinigt vom Kaminfeger! Gibt’s das noch?
Alles wieder Verwertbare wird gesammelt. Auf Dorfplätzen sehe ich Behälter mit drei Löchern, eines für weisses Glas, die andern für grünes und braunes Glas. Küchenabfälle werden der Erde zurückgegeben. Verbrauchte Batterien werden separat gesammelt. In keinem anderen Land werden so viele Dinge wiederverwertet. Eisenbahnzüge, Busse, Drahtseilbahnen, Zahnradbahnen, Skilifte die uns überall, hin bringen können mit äusserster Präzision und Geschwindigkeit, bis auf 3500 Metern.
In Basel gibt es viel zu sehen. Wer Kunst und Musik liebt, hat hier eine Fundgrube ersten Ranges. Für amerikanische Begriffe ist Basel eine Kleinstadt, enthält aber alles was die Grossstadt bietet. Auch Sport ist sicher nicht zu übersehen. Es gibt sogar Hallen Fussball in Basel, Spiele, die wirklich Fussball sind. In Amerika konnte ich nie verstehen, warum sie ihr Spiel Football „Fussball“ nennen, da man ja selten einen Ball zu sehen bekommt. Es ist ein Kampfspiel, bei dem immer Verletzte vom Feld getragen werden, obwohl die Spieler mit Uniformen wie Gladiatoren bekleidet sind. Aber populär sind die schon, diese hochbezahlten Kämpfer. Nur junge Burschen mit mehr als 95 Kilo können sich dabei beteiligen. Im „Baseball“ ist es genau so schlimm. Wer nicht mindestens 2,10 Meter gross ist, kann es vergessen an diesem Korbspiel teilzunehmen. Diese amerikanischen Spiele sind Geschäfte, leider sehr rentable Geschäfte. Ich vermisse hier in der Schweiz das Golfspiel, aber es ist verständlich, das es hier nicht genug grüne offene Plätze gibt, da alles mit Häusern übersiedelt ist. Doch finde ich es unglaublich vorteilhaft, dass man in kurzer Zeit von einem Ort zum andern gehen kann. In zwei Stunden bin ich in den Alpen, in diesen wunderbaren Schneebergen, die viel höher scheinen als in Amerika.
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